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Cultural Clash: Political Correctness meets Science

Ausgangsbasis für diesen Blogbeitrag ist ein am 8. August erschienener Artikel zum Thema Google feuerte Entwickler, der sexistisches Manifest verfasste auf derStandard.at. Wir möchten der Frage nachgehen, ob es sich tatsächlich um ein “sexistisches Manifest” handelt, oder ob nicht doch vorzeitige Schlüsse seitens des Arbeitgebers und der Medien gezogen wurden.

Der Google-Entwickler James Damore veröffentlichte intern das Dokument Google’s Ideological Echo Chamber - How bias clouds our thinking about diversity and inclusion, indem er seine Kolleg_innen auffordert, sich kritisch mit dem Thema Diversität und Chancengleichheit auseinander zu setzen:

Thankfully, open and honest discussion with those who disagree can highlight our blind spots and help us grow, which is why I wrote this document. Google has several biases and honest discussion about these biases is being silenced by the dominant ideology.

Wer ist James Damore?

Damore erlangte einen Master of Science (MSc) in Systems Biology von der Elite-Universität Harvard und einen Bachelor of Science (BSc) in Molecular Biology, Physics Chemistry von der University of Illinois. Zu seinen beruflichen Stationen zählen u.a. auch ein Forschungsaufenthalt an der Princeton University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Zuletzt war er bei Google als Software Engineer beschäftigt.

Auf Grund der absolvierten Ausbildung ist er befähigt, naturwissenschaftliche Sachverhalte auf akademischem Niveau zu beurteilen. Seine wissenschaftliche Kompetenz und Methodik kann ihm daher nicht abgesprochen werden - die renommierten Forschungseinrichtungen müssten davor selbst in Frage gestellt werden. Die Ursache für die Eskalation lässt sich wohl an andere Stelle finden: Er spricht die biologischen Unterschiede zwischen Frau und Mann offen innerhalb seines Unternehmens an.

Biologische Unterschiede

Die Gender-Forschung bestätigt, dass es biologische Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt. Der Artikel No, the Google manifesto isn’t sexist or anti-diversity. It’s science bringt es ebenfalls auf den Punkt: Frauen und Männer tendieren dazu unterschiedlichen Interessen nachzugehen. Er stützt sich bei seinen Ausführungen auf die Empathizing–systemizing theory welche besagt, dass sich die durchschnittliche Frau mehr für emphatische Themen, der durchschnittliche Mann mehr für technische Themen begeistern kann.

Natürlich kommen Abweichungen vom Durchschnitt in der Natur vor. So auch z.B. im Fall von Susan Wojcicki, YouTube CEO. Sie fühlt sich in ihren Fähigkeiten in Frage gestellt. Dabei hat sie jedoch offensichtlich vergessen, dass sich Damores Manifest nicht per se “gegen” Frauen richtet - es beschreibt nur statistische Fakten und ist keineswegs als abwertend oder diskriminierend zu verstehen. Susan Wojcicki ist eine Frau, welche nicht dem wissenschaftlichen Durchschnitt entspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Warum ist es dennoch für einige Personen ein Problem diesen bewiesenen Fakt anzuerkennen? Die Thematik ist eng unter dem Kontext Political Correctness, Diversität und Chancengleichheit zu betrachten.

Diversität und Chancengleichheit

Wurden Führungspositionen in der Vergangenheit größtenteils mit Männern besetzt, bemühen sich die Unternehmen heutzutage, Karrieren von Frauen mit fraglichen Konstrukten wie der Frauenquote zu fördern. Die Frauenquote als genderpolitisches Experimentierfeld führt zu einer Diskriminierung der Fachqualifikation und steht daher öffentlich in der Kritik. Trotzdem wird seitens der derzeitigen Politik und dem Management einiger Unternehmen, wie z.B. Google, an ihr festgehalten. Gibt es eventuell geeignetere Maßnahmen, um Chancengleichheit auch ohne eine Quotenregelung zu erreichen?

Angeblicher Sexismus und Stereotypisierung

Damore wird seitens Google und den Medien vorgeworfen, er handle angeblich sexistisch und sei vorurteilsbehaftet. Werfen wir einen Blick in sein Dokument, darin findet sich unter anderem folgender Absatz:

Many of these differences are small and there’s significant overlap between men and women, so you can’t say anything about an individual given these population level distributions.

Er stellt damit klar, dass sich seine Aussagen weder gegen ein Individuum, noch allgemein gegen Frauen richten. Vielmehr relativiert er seine Argumente und beschreibt den Durchschnitt mit Begriffen wie on average, the majority oder generally und belegt sie mit Literaturquellen. Er spricht sogar explizit an, dass Geschlechtsunterschiede keinen Sexismus implizieren: “We need to stop assuming that gender gaps imply sexism.”

I value diversity and inclusion, am not denying that sexism exists, and don’t endorse using stereotypes. When addressing the gap in representation in the population, we need to look at population level differences in distributions. If we can’t have an honest discussion about this, then we can never truly solve the problem.

Unklar bleibt daher, wieso der Stempel des Sexismus und der Stereotypisierung an ihm haftet. Hat es eventuell politische Gründe?

Political Correctness

Der Vorfall bei Google ist nur ein weiteres Symptom der Political Correctness. Bestimmte Themen werden tabuisiert, als alternativlos dargestellt oder sogar zensiert. Anstatt Energie in die Blockierung von schwierigen Themen zu stecken, sollte diese genutzt werden die Realität nüchtern zu betrachten und wegweisende Lösungen auszuarbeiten. Political Correctness darf nicht als dämmender Faktor des wissenschaftlichen Fortschritts fungieren. Dass eine offene Diskussionskultur zu Themen wie Diversität innerhalb der Branche möglich ist, zeigt nachfolgendes Beispiel.

Offene Diskussionskultur

Student_innen des Masterstudiengangs Information Security Management (ISM) an der FH Hagenberg setzen sich unter anderem kritisch mit ihren Leadership & Social Skills auseinander und behandeln Aspekte der interkulturellen Kommunikation. Diese entscheidenden Schlüsselkompetenzen fördern die Dialogfähigkeit und unterstützen nachhaltiges unternehmerisches Denken. Bis sich dieses Mindset jedoch flächendenkend etabliert hat, benötigt es - wie bei jedem emotionsgeladenen Fortschritt - noch etwas Zeit.

Fazit

Diversität ist ein entscheidender Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Abschließend lässt sich jedoch in Frage stellen, ob es seitens Google eine sinnvolle Entscheidung war, die Diskussion im Keim zu ersticken und personelle Konsequenzen gegenüber dem Mitarbeiter zu ziehen, oder ob ein gemeinsame Maßnahmenausarbeitung zur Förderung von Frauen in der Technik mit der Diversitäts-Beauftragten des Unternehmens, nicht zielführender gewesen wäre. Für mich persönlich erweckt es den Eindruck, als würde sich der Google Mitarbeiter intensiver und neutraler mit dem Thema beschäftigen als seine Diversitäts-Beauftragte. Offene Feedbackkultur? Wohl kaum.

Wir benötigen eine wissenschaftlich objektive Diskussion über das Thema, eine ideologisch subjektive Auseinandersetzung ist, wie an so vielen anderen Stellen, kontraproduktiv. Zu Recht geht der Entwickler nun gegen die Entscheidung seines Arbeitgebers vor. Ausgang offen.